Florian Unger, Energiereferat
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Gemeinsam den CO2-Ausstoß verringern: Frankfurt am Main beteiligt sich am europäischen Projekt „Zero Carbon Cities“

Als eine von sieben europäischen Städten beteiligt sich Frankfurt am Main am Projekt „Zero Carbon Cities“. Es ist Teil des „URBACT“ genannten europäischen Programms für nachhaltige Stadtentwicklung. Die Projektpartner haben das Ziel, sich gegenseitig auszutauschen und voneinander zu lernen, mit welchen konkreten Maßnahmen und Prozessen sich der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß von Städten und Kommunen entsprechend dem Pariser Klimaschutzabkommen bis spätestens 2050 weitestgehend auf null reduzieren lässt. Im Kern geht es dabei darum, Modelle zur Bürgerbeteiligung zu entwickeln. Diese beschreiben, wie Städte und Kommunen CO2-ausstoßende Akteure einbinden können, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Geleitet wird das Projekt von der Stadt Manchester (England), beteiligt sind darüber hinaus die Städte Vilvoorde (Belgien), Zadar (Kroatien), Bistrita (Rumänien), Modena (Italien) und Tartu (Estland). Das Projekt verbindet somit Städte ganz unterschiedlicher Größe und mit den unterschiedlichsten Herausforderungen. Dadurch soll eine große Bandbreite an Kommunen innerhalb der EU abgebildet werden, sodass die erarbeiteten Modelle und Prozesse möglichst viele verschiedene Anforderungen und Gegebenheiten abdecken.

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Zusammenarbeit ist in verschiedene Projektphasen eingeteilt

Projektstart war im September 2019. Bis Dezember 2022 stehen die sieben Städte in permanentem engem Austausch zu ihren Maßnahmen, Erfolgen und Erfahrungen. Florian Unger vom Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main ist Projektleiter für Frankfurt und setzt große Hoffnungen in das Projekt: “Ich bin überzeugt, dass das europäische Zero-Carbon-Cities-Projekt die Stadt Frankfurt beim Erreichen der Klimaschutzziele ein gutes Stück voranbringt.“

Um dieses Ziel gemeinsam im Netzwerk zu verfolgen, haben sich die Projektpartner auf ein gemeinsames Vorgehen und bestimmte Aufgaben geeinigt. Alle sieben Städte arbeiten bereits eigenständig an ihren Klimaschutzmaßnahmen. Die erste Projektphase diente deshalb der gemeinsamen Abstimmung zu Status quo, Schwerpunkten und Ausrichtung ihrer Arbeit im Rahmen des Projektes „Zero Carbon Cities“. In der zweiten Projektphase entwickeln sie bis Ende 2020 einen „Action Plan“, den sie anschließend in der dritten und letzten Phase umsetzen. Der Action Plan legt die einzelnen Schritte für Städte und Kommunen fest, um die passenden Modelle zur Beteiligung der CO2-ausstoßenden Akteure entwickeln zu können: „Das heißt, wir erarbeiten momentan den Prozess, der beschreibt, wann wir uns als Stadt mit wem und in welcher Art und Weise zusammensetzen, um die gewünschte CO2-Reduktion zu erreichen“, erklärt Unger.

 Zero Carbon Cities Vertreter aus  Frankfurt (Deutschland), Vilvoorde (Belgien), Zadar (Kroatien), Bistrita (Rumänien), Modena (Italien) und Tartu (Estland) bei einem Treffen in Manchester (England). Quelle:  Energy Cities / Kinga Kovacs
 Zero Carbon Cities Vertreter aus  Frankfurt (Deutschland), Vilvoorde (Belgien), Zadar (Kroatien), Bistrita (Rumänien), Modena (Italien) und Tartu (Estland) bei einem Treffen in Manchester (England). Quelle:  Energy Cities / Kinga Kovacs

CO2-Ausstoß auf Unternehmensebene erfassen

Einig sind sich die Projektpartner darüber, dass das Einbinden derjenigen, die lokal Kohlenstoffdioxid-Emissionen verursachen, eine Schlüsselrolle beim Erreichen der Klimaschutzziele spielt. Vor diesem Hintergrund ist es eine zentrale Aufgabe im Rahmen des Zero-Carbon-Cities-Projektes, „CO2-Budgets“ in den Partnerstädten zu etablieren. Basierend auf den Klimaschutzzielen der Stadt Frankfurt am Main, soll ein solches Budget aufzeigen, wie viel Kohlendioxid von welchem Akteur und Branche beeinflusst und bis spätestens 2050 weitestgehend vermieden werden kann.

Das CO2-Budget soll also alle relevanten Akteure im Stadtgebiet Frankfurt mit den von ihnen verursachten Kohlendioxid-Emissionen ausweisen. Bislang hat Frankfurt den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß von Haushalten, Gewerbe, Industrie und dem Verkehrsbereich insgesamt als „CO2-Bilanz“ zusammengefasst, nicht auf der Ebene der Akteure.

So gilt es zunächst, einen Prozess und eine Methodik zu entwickeln, die es ermöglichen, die einzelnen Akteure, die für die CO2-Emissionen im Einzugsbereich der Stadt Frankfurt verantwortlich sind, mit ihrem Ausstoß zu erfassen. „Erst wenn wir diese Werte kennen, können wir mit den Akteuren ins Gespräch gehen, verhandeln und in gegenseitigem Einverständnis Vereinbarungen treffen, welcher Beitrag zur Emissionsreduzierung realistisch, sinnvoll und machbar ist“, erklärt Unger.

Beteiligungsmodelle unterscheiden sich je nach lokalen Gegebenheiten

Wesentlich für die Art und Weise, wie die Beteiligungsmodelle funktionieren, ist die Struktur der CO2-ausstoßenden Akteure. Diese unterscheidet sich in Großstädten wie Frankfurt oder Manchester mit einer vielseitigen Industrielandschaft und großen Unternehmen von der in kleineren Städten oder Kommunen. Ein Beispiel ist die Stadt Vilvoorde, die zum Großraum Brüssel gehört. Früher ein Industriestandort hat sich die Stadt mittlerweile zu einem Dienstleistungsstandort entwickelt. Große Gewerbegebiete und Industrieunternehmen gibt es dort kaum noch. Die Struktur derjenigen, die für den CO2-Ausstoß relevant sind, ist hier eher kleinteilig. Das CO2-Budget und die darauf basierende Art der Beteiligung sind somit ganz anders zu gestalten als in Großstädten und Industriestandorten wie Frankfurt oder Manchester.

Frankfurt bringt Erfahrung mit Netzwerken ein

Spezifisch für Industriestandorte ist vor allem, dass sehr viele Akteure, Bereiche und Ebenen am CO2-Ausstoß beteiligt sind. Sie alle gilt es, in einen Prozess einzubinden, der zur Reduktion der CO2-Emission führt. Damit beschäftigt sich Frankfurt im Rahmen der Energieeffizienznetzwerke bereits seit vielen Jahren. „Als Stadt betreiben wir zwei solcher Netzwerke. Das heißt, wir beraten Unternehmen, wie sie ihre Energieeffizienz verbessern können. Im Gegenzug berichten sie uns über die Maßnahmen, die sie umgesetzt haben. So stehen wir in engem Austausch dazu, wieviel Energie reduziert wurde. Ein ähnlicher Mechanismus ist auch für das CO2-Budget denkbar“, so Unger.

Insbesondere durch diese Arbeit in den Energienetzwerken konnte Frankfurt sehr viel Erfahrung sammeln, wie sich komplexe Themen in die Netzwerke mit unterschiedlichsten Akteuren aus den verschiedensten Branchen und Bereichen einbringen lassen. Diese Erfahrung stellt die Stadt beispielsweise im Zero-Carbon-Cities-Projekt den anderen Projektpartnern zur Verfügung. Im Gegenzug kann Frankfurt viel von den anderen Städten lernen – beispielsweise von Manchester, wenn es darum geht, wie solche Beteiligungsmodelle zur CO2-Reduktion mit Unternehmen, Vereinen und Organisationen in die Realität umgesetzt werden können.

Gemeinsam das Wirtschaftssystem klimafreundlich gestalten

Als Daten- und Verkehrsknotenpunkt, Finanz- und Industriestandort sowie Stadt mit einer vielfältigen und wachsenden Unternehmenslandschaft geht es Frankfurt darum, dass Klimaschutz mit einer gesunden Wirtschaft Hand in Hand geht. „Das Zero-Carbon-Cities-Projekt trägt dazu bei, das Wirtschaftssystem so zu gestalten, dass es mit wenig bis gar keinem CO2 funktioniert“, erklärt Unger. Zwang und Vorgaben sollen dabei möglichst vermieden werden. Stattdessen setzen die Projektpartner auf Freiwilligkeit und Maßnahmen, die mit allen Beteiligten abgestimmt werden.

Ein Vorbild ist die Manchester Climate Change Partnership: Als Großstadt steht Manchester beim Klimaschutz vor ähnlichen Herausforderungen wie Frankfurt und ist beim CO2-Budget bereits ein gutes Stück weiter. Mehrere Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß stimmen sich bereits eng mit der Stadt ab und setzen sich für die Reduktion von CO2 ein. „Ein solches Modell möchten wir im Rahmen des Zero-Carbon-Cities-Projektes auch in Frankfurt etablieren“, so Unger.

 

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| von Team Frankfurt