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Im ersten Teil dieser Blog-Reihe ging es unter anderem darum, was der Klimawandel ist, was alles zum Klimaschutz dazugehört und was Nachhaltigkeit damit zu tun hat. Aber was bedeutet eigentlich „klimaneutral“, „umweltneutral“ oder „klimapositiv“? Und was hat es mit dem Klimanotstand und dem Klimaschutzgesetz auf sich? Hier findest du verständliche Erklärungen, die dir den Durchblick verschaffen.

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Die wichtigsten Klimaschutz-Begriffe, einfach erklärt.


Was ist ein Klimanotstand?

Viele Städte, Regionen und Staaten haben den Klimanotstand (oder -notfall) ausgerufen. Auch wenn sich die Erklärungen in ihrer Tiefe und den Details der Vorgaben stark unterscheiden, haben sie eines gemeinsam: Sie verdeutlichen, dass der Klimawandel als Krise bewertet wird und die bisher ergriffenen Maßnahmen für ungenügend gehalten werden.

Auch das Europäische Parlament rief am 28. November 2019 den Klimanotstand aus. Die Parlamentarier fordern darin die Kommission, die Mitgliedsstaaten und alle globalen Akteure auf, umgehend konkrete Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen. Zudem soll die Kommission alle einschlägigen Gesetzgebungs- und Haushaltsvorschläge auf das Ziel abstimmen, die globale Erwärmung auf unter 1,5 °C zu begrenzen.

Etwa ein Jahr später, am 12. Dezember 2020, forderte UN-Generalsekretär Antonio Guterres alle Staaten der Welt auf, den Klimanotstand zu erklären.

Quellen: Europäisches Parlament: „Europäisches Parlament ruft Klimanotstand aus“, tagesschau: „Guterres fordert Ausrufung des ,Klimanotfalls‘“, Umweltbundesamt: „Deutsche Kommunen rufen den Klimanotstand aus“, Wikipedia: „Klimanotstand

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Was ist das Klimaschutzgesetz?

Das Bundes-Klimaschutzgesetz bildet den Rahmen für die deutsche Klimaschutzpolitik. Es soll sicherstellen, dass Deutschland seine Klimaschutzziele erreicht. Hierzu schreibt es gesetzlich verbindliche Klimaziele mit jährlich sinkenden Treibhausgas-Budgets für die Sektoren Verkehr, Energie, Industrie, Gebäude, Landwirtschaft sowie Abfallwirtschaft vor. Wenn Ziele verfehlt werden, müssen die zuständigen Ministerien ein Sofortprogramm vorlegen, mit dem nachgesteuert werden kann.

Im April 2021 stellte das Bundesverfassungsgericht fest, dass das Klimaschutzgesetz von 2019 zwar grundsätzlich geeignet ist, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, dass es aber zu kurz greift. Für die Zeit nach 2030 fehlten klare gesetzliche Vorgaben für den Weg zur Klimaneutralität.

Das weiterentwickelte Klimaschutzgesetz sieht jetzt vor, dass Deutschland bis 2030 65 Prozent weniger Treibhausgase ausstößt als 1990. Bis 2040 sind es 88 Prozent. 2045 soll Deutschland klimaneutral sein, also nur noch so viele CO2-Emissionen produzieren wie es beseitigt.

Quellen: BMU: „Bundes-Klimaschutzgesetz“, BMU: „Für mehr Klimaschutz“, BMU: „Novelle des Klimaschutzgesetzes beschreibt verbindlichen Pfad zur Klimaneutralität 2045“, BMU: „Schulze: Bundesverfassungsgericht stärkt Klimaschutz“, BMU: „So funktioniert das Klimaschutzgesetz“, BMU: „Statement von Bundesumweltministerin Svenja Schulze zum neuen Klimaschutzgesetz

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Was ist die Energiewende? Und wie trägt sie zum Klimaschutz bei?

Energiewende
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Die Energiewende bezeichnet eine grundlegende Umstellung der Energieversorgung in Deutschland: Weg von nuklearen und fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz. Ziele der Energiewende in Deutschland sind unter anderem:

  • 65 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien bis 2030,
  • Abschaltung der letzten Kernkraftwerke 2022,
  • 50 Prozent weniger Primärenergieverbrauch bis 2050 gegenüber 2008.

Die Energiewende ist ein Schlüssel zu mehr Klimaschutz, da die Abkehr von fossilen Brennstoffen und die Steigerung der Energieeffizienz die Gesamtemissionen erheblich verringern. Darüber hinaus bietet die Energiewende die Chance einer grundlegenden wirtschaftlichen Modernisierung: Deutschland macht sich damit unabhängig von steigenden Preisen für fossile Energien, die teilweise aus dem Ausland eingekauft werden müssen, schafft neue Arbeitsplätze und kann zur führenden Exportnation umweltschonender Technologien werden.

Quellen: BMWi: „Unsere Energiewende: sicher, sauber, bezahlbar“, Umweltbundesamt: „Häufige Fragen zur Energiewende

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Was hat Müllvermeidung mit Klimaschutz zu tun?

Alles, was im Müll landet, schädigt das Klima gleich dreifach: bei der Herstellung, beim Transport und bei der Entsorgung. Beispiel Plastik, dessen Produktion seit 1950 von 2 auf 400 Millionen Tonnen gestiegen ist: In jeder Phase des Plastik-Lebenszyklus werden Kohlendioxid, Methan und andere Treibhausgase freigesetzt. Dies beginnt, wenn Rohöl gewonnen, raffiniert und in energieintensiven Verfahren verarbeitet wird, und endet damit, dass Kunststoffabfälle entsorgt oder verbrannt werden.

Quellen: BMU: „Klimaschutz heißt weniger Müll“, Heinrich-Böll-Stiftung: „Klimawandel: Plastik heizt das Klima an

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Was heißt klimaneutral?

Klimaneutral bedeutet, dass eine Handlung oder ein Prozess letztlich keine Auswirkungen auf das Klima hat. Alle verursachten Treibhausgas-Emissionen werden durch die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre ausgeglichen. Synonym wird der Begriff Treibhausgas-neutral verwendet. Zudem spricht man auch von Netto-Null-Emissionen.

Um sie zu erreichen, sind so genannte Kohlenstoffsenken notwendig, die mehr Kohlenstoff aufnehmen als abgeben. Die wichtigsten natürlichen Kohlenstoffsenken sind Böden, Wälder und Ozeane. Sie entfernen etwa 9,5 bis 11 Gigatonnen CO2 pro Jahr. Dies ist allerdings nur ein kleiner Teil der jährlichen globalen CO2-Emissionen, die 2019 rund 36,4 Gigatonnen betrugen. Bisher gibt es keine künstlichen Kohlenstoffsenken, die so viel Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernen können, wie es zur Bekämpfung der globalen Erwärmung notwendig wäre.

Mithilfe des Grünen Deals soll Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent werden, der so viele CO2-Emissionen beseitigt, wie er produziert.

Der Begriff „klimaneutral“ auf Produkten ist nicht gesetzlich geschützt. Er signalisiert lediglich, dass verursachte CO2-Emissionen nachträglich kompensiert werden. Hierzu unterstützen Unternehmen zum Beispiel Aufforstungsprojekte. Die Bezeichnung „klimaneutral“ gibt keine Aussage darüber, ob das Produkt selbst umweltfreundlich ist oder sich das Unternehmen um eine Reduktion anderer Umweltbelastungen bemüht. Grundsätzlich sollte die Vermeidung von Treibhausgasemissionen immer Vorrang vor deren Kompensation haben.

Quellen: Europäisches Parlament: „Was versteht man unter Klimaneutralität und wie kann diese bis 2050 erreicht werden?“, Statista: „CO2-Emissionen weltweit in den Jahren 1960 bis 2019“, Umweltbundesamt: „Kompensation von Treibhausgasemissionen

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Was heißt umweltneutral?

Umweltneutralität bedeutet, dass bei Produkten nicht nur die Auswirkungen auf den Klimawandel, sondern weitere Umweltauswirkungen analysiert und kompensiert werden. Dies sind zum Beispiel: Eutrophierung, Versauerung, Sommersmog und Ozonabbau.

  • Eutrophierung: Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor gelangen aus Landwirtschaft, Kläranlagen, Industrie und Verkehr in ursprünglich nährstoffarme Gewässer. Algen und Wasserpflanzen können übermäßig wachsen und entziehen anderen Pflanzenarten und vielen Lebewesen die Lebensgrundlage.
  • Versauerung: Sie betrifft sowohl das Meer als auch Böden. Die Versauerung der Meere wird durch die Aufnahme von CO2 und die Bildung von Kohlensäure verursacht. Hierunter leiden zunächst Lebewesen mit Kalkskeletten. Da sie die Basis von Nahrungsketten bilden, kann dies schwerwiegende Konsequenzen für die übrigen Meeresbewohner haben. Auch die Folgen einer Bodenversauerung sind massiv. Unter anderem können viele Pflanzen und Tiere in einem saureren Milieu nicht überleben.
  • Sommersmog: Er kann entstehen, wenn Stickoxide, Kohlenwasserstoffe und intensive Sonneneinstrahlung aufeinandertreffen. Das bodennahe Schadstoffgemisch, das vor allem Ozon enthält, greift die Atmungsorgane an und schädigt Pflanzen und Tiere.
  • Ozonabbau: Die natürliche Ozonschicht in 15 bis 25 Kilometern Höhe schützt das gesamte Leben auf der Erde vor den schädlichen ultravioletten Strahlen der Sonne. Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) und Halone greifen die Ozonschicht an.

Quellen: BMU: „Schutz der Ozonschicht“, planet wissen: „Sommersmog“, Umweltbundesamt: „Eutrophierung“, Umweltbundesamt: „Ozon“, Umweltbundesamt: „Was ist der Unterschied zwischen Ozon und Sommersmog?“, Utopia: „Bodenversauerung: Ursachen und Folgen des sauren Bodens“, Utopia: „Was sind umweltneutrale Produkte – und wie funktioniert die Herstellung?“, Wikipedia: „Versauerung der Meere

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Was heißt klimapositiv?

In Anlehnung an die Bezeichnung klimaneutral bedeutet klimapositiv, dass eine Handlung oder ein Prozess letztlich eine positive Auswirkung auf das Klima hat, indem mehr Emissionen kompensiert als verursacht werden. Häufig wird der Begriff jedoch in anderen Bedeutungen verwendet, die sich nicht direkt auf die Klimabilanz beziehen. Zum Beispiel wird er genutzt, um ganz allgemein einen positiven Beitrag zum Klimaschutz zu bezeichnen.

Quelle: Wikipedia: „Klimaneutralität

 

Wir freuen uns, wenn die Erklärungen für dich hilfreich sind. Du vermisst eine wichtige Definition? Schreib uns gerne an klimaschutz.team@stadt-frankfurt.de

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| von Team Frankfurt