Energieeffizienz in kleinen und mittleren Unternehmen

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Die Frankfurter Skyline, mit der St. Katharinenkirche im Vordergrund

Wir sind Frankfurt!

Die Stadt Frankfurt am Main hat sich den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben. Die Bürger*innen und auch die Unternehmen der Stadt haben sich viel vorgenommen, bis zum Jahr 2050 fünfzig Prozent ihres Energiebedarfs zu reduzieren. Die verbliebenen fünfzig Prozent sollen aus regenerativen Energiequellen bezogen werden. Bis 2050 will Frankfurt die Treibhausgasemissionen der Stadt gegenüber 1990 um 95 Prozent senken.

Um diese ambitionierten Klimaziele zu erreichen, sind öffentliche Gebäude, Unternehmen und alle Einwohner*innen der Stadt aufgerufen, ihren Energieverbrauch zu überprüfen und maximal zu senken. Wenn das irgendeine Stadt schafft, dann sind wir das: Wir sind Frankfurt!

Jetzt sind die Unternehmen gefordert

Männerhände ruhen auf der Tastatur eines Laptops, der Grundrisse zeigt.

Der Gesetzgeber schreibt Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeiterinnen vor, über ihre Fortschritte in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit regelmäßig zu berichten. Von dieser Regelung sind kleinere und mittelgroße Unternehmen (auch KMU genannt) mit weniger als 500 Beschäftigten bislang ausgenommen. Dennoch wird es zunehmend wichtiger, dass auch kleinere Unternehmen sich über die Klimaschutzpotenziale ausreichend informieren und ihren Auftraggeberinnen und Kund*innen entsprechende Verbesserungen nachweisen. Es gilt, die ökologischen Auswirkungen der Produktion, Waren oder Dienstleistungen über die gesamte Wertschöpfungskette darauf hin abzuklopfen, wie es um die eigene Energieeffizienz steht und wie Treibhausgase eingespart werden können.

Auch auf kleine und mittlere Unternehmen kommen neue Heraus­forderungen im Energiemanagement zu. Immer wieder wird diskutiert, die Auditpflicht im Energiebereich auch auf kleinere Unternehmen auszuweiten, wenn die Energieeffizienzziele der Bundesregierung nicht erreicht werden sollten. Diese Auditpflicht würde ihnen einen ersten Überblick zu den Quellen und Mengen der anfallenden Energieverbräuche verschaffen, um im nächsten Schritt daraus die Bilanzierung ihrer Treibhausgase anzugehen.

Der CO2-Fußabdruck von Unternehmen

Der CO2-Fußabdruck (engl. Carbon Footprint), der auch als CO2-Bilanz oder Treibhausgasbilanz bezeichnet wird, gibt an, welche Menge an Emissionen, die Treibhausgas wirksam sind, direkt und indirekt durch eine Aktivität verursacht wird. So lässt sich genau berechnen, wie hoch der CO2-Fußabdruck von Personen, Produkten, Ländern und auch Unternehmen ist.

Mit der Berechnung des CO2-Fußabdrucks eines Unternehmens wird deutlich, durch welche Aktivitäten eines Unternehmens wie viel CO2 erzeugt wird und wie groß das Einsparpotenzial in den einzelnen Geschäftsbereichen ist, um die eigene Energieeffizienz gezielt zu steigern.

Drei Bereiche addieren sich zum CO2-Fußabddruck

Ein Mann in Warnweste lenkt einen Gabelstapler durch eine Fabrikhalle.

Scope 1

Direkte Emissionen aus Verbrennungsprozessen stationärer oder mobiler Anlagen, chemische Prozesse sowie die eigene Energieerzeugung. Emissionsquellen können zum Beispiel eine Erdgasheizung, eigene Kraftwerke auf dem Betriebsgelände sowie Verbrennungsanlagen, Firmenwagen, Gabelstapler und Kühlanlagen sein.

Scope 2

Indirekte Emissionen, die aus dem Bezug leitungsgebundener Energie entstehen. Dazu zählen zum Beispiel aus dem Netz bezogener und eingekaufter Strom, Dampf, Fernwärme oder Kühlung.

Scope 3

Emissionen aus allen vor- und nachgelagerten Aktivitäten des Unternehmens entlang der Wertschöpfungskette. Hierzu zählen zum Beispiel Rohwaren, eingekaufte Güter und Dienstleistungen sowie Logistik und Transport. Außerdem fließen Geschäftsreisen, das Mobilitätsverhalten der Angestellten sowie die Nutzung der verkauften Produkte und deren Umweltbilanz über den gesamten Produkt-Lebenszyklus in die Bilanz ein. Hier ist entscheidend, ob das Produkt nach dem Gebrauch verbrannt oder recycelt wird oder sich auf natürlichem Wege abbaut.

Ökoprofit – Wie der Name schon sagt

Eine junge Frau sitzt in einem Workspace, umringt von VR-Technik.

Seit dem Start im Jahr 2007 hat sich Ökoprofit in Frankfurt am Main als Beratungs- und Netzwerkprojekt im Umwelt-, Energie- und Nachhaltigkeitsbereich für Unternehmen fest etabliert. Seitdem haben die beteiligten Betriebe bis Ende 2019 mehr als 50.000 Tonnen CO2 vermieden und etwa 18 Millionen Kilowattstunden Strom eingespart. Zudem haben die an Ökoprofit beteiligten Unternehmen damit Betriebskosten in Höhe von fast 7,2 Millionen Euro eingespart. Gut für die städtische Klimabilanz!

Basis des Programms sind gemeinsame Workshops mit den teilnehmenden Betrieben und eine Vor-Ort-Beratung durch ein professionelles Beraterteam, in denen die Bestandteile eines betrieblichen Umwelt- und Energiemanagements vermittelt werden. Nach einer einjährigen Projektdauer werden die Betriebe anhand eines Kriterienkatalogs geprüft und bei Erfolg von der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet.

Ökoprofit besteht aus zwei Bausteinen, zu denen sich Unternehmen anmelden können:

1. Das Einsteigerprogramm zum Start

Hier erhalten interessierte Unternehmen einen Einstieg ins betriebliche Umweltmanagement. Zudem vermitteln die Ökoprofit-Berater*innen auch die Grundlagen von Energie- und Nachhaltigkeitssystemen sowie deren rechtliche Anforderungen. Innerhalb eines Jahres finden acht gemeinsame Workshops abwechselnd bei den teilnehmenden Betrieben statt. Sie decken folgende Themenschwerpunkte ab:

Ein Arbeiter bohrt Löcher in einen hölzernen Zylinder.
  • Energieeffizienz
  • Entsorgen und Vermeiden von Abfall
  • Einsparen von Wasser
  • Gefahrenstoffe
  • Mobilität und Logistik
  • Rechtsaspekte
  • Mitarbeitermotivation
  • Umweltmanagement und -controlling

Zudem umfasst das Einsteigerprogramm vier halbtägige Vor-Ort-Beratungen beim teilnehmenden Betrieb. Hier werden mit dem Unternehmen gemeinsam konkrete Verbesserungsmaßnahmen entwickelt. Die Einzelberatungen umfassen folgende Bestandteile:

  • Einen Betriebsrundgang
  • Unterstützung bei der Erfüllung rechtlicher Anforderungen
  • Ideen sammeln für zukünftige Maßnahmen
  • Ausarbeiten konkreter Maßnahmen inklusive Zeitplan
  • Festlegen der Verantwortlichkeiten sowie Budgetplanung

Am Ende des Einsteigerprogramms wird geprüft, ob die Pflichtkriterien von Ökoprofit erfüllt werden und der Betrieb in der Lage ist, die erarbeiteten Maßnahmen anzustoßen. Ist das der Fall, erhalten die Unternehmen die Auszeichnung „Ökoprofit FrankfurtRheinMain“. In der Ökoprofit-Projektrunde 2020 sparten die teilnehmenden Einsteigerunternehmen beispielsweise zusammen mehr als 12.600 Tonnen CO2 sowie über 700.000 Euro an Betriebskosten ein.

Anders als andere Umweltmanagementberatungen, die auf den Einzelbetrieb ausgerichtet sind, zielt Ökoprofit auf die Bildung eines lokalen Netzwerks gleichgesinnter Unternehmen. Nach Abschluss des Einsteigerprogramms treten viele Betriebe dem Ökoprofit-Klub bei, um sich mit Hilfe des Netzwerks über aktuelle Entwicklungen im Umweltrecht sowie organisatorische und technische Neuigkeiten zu informieren und dauerhaft auszutauschen.

2. Der Ökoprofit-Klub auf der Langstrecke

Der Ökoprofit-Klub legt seinen Schwerpunkt auf die Weiterentwicklung der betrieblichen Maßnahmen sowie auf die Vernetzung und Stärkung der von Ökoprofit ausgezeichneten Unternehmen. Der Klub bietet den perfekten Rahmen, um verschiedene Nachhaltigkeitsthemen und die aktuellen Entwicklungen im Umweltbereich zu diskutieren. Der Ökoprofit-Klub umfasst pro Projektdurchgang:

  • Einen betrieblichen Vor-Ort-Termin (Einzelberatung)
  • Vier gemeinsame Workshops
  • Ein bis zwei gemeinsame Exkursionen
  • Abschließende Prüfung und Zertifizierung

Frankfurt spart Strom

Hochleitungsspannungen vor einem Sonnenuntergang

Dieses Förderprogramm des Energiereferats der Stadt Frankfurt am Main unterstützt kleine und mittelgroße Unternehmen, Vereine und Religionsgemeinschaften beim Stromsparen, indem sie von der Stadt einen finanziellen Zuschuss erhalten, wenn sie in energiesparende Maßnahmen investieren.

Vor der Förderung liegt die Beratung. Das Programm beginnt in der Regel mit einer professionellen Energieberatung oder einer Beratung durch die Unternehmen, die in der Lage sind, ihr Einsparpotenzial zu bestimmen. In dieser Phase werden für jeden einzelnen Betrieb individuelle Maßnahmen erarbeitet. Bei Möglichkeit kann eine solche Einschätzung auch intern vorgenommen werden. Dies kann besonders bei kleinen Unternehmen der Fall sein. Ab sofort kann der „Frankfurt spart Strom“-Antrag auch ganz schnell online gestellt werden. Mehr dazu hier.

10 Cent pro eingesparte Kilowattstunde

Das Förderprinzip von „Frankfurt spart Strom“ ist einfach: Für jede Kilowattstunde Strom, die kalkulatorisch durch die Umsetzung einer Maßnahme eingespart wird, zahlt die Stadt Frankfurt am Main 10 Cent als Investitionszuschuss. Maximal werden 30 Prozent der förderfähigen Gesamtinvestitionen über das Programm bezuschusst. Die Förderhöhe ist auf 50.000 Euro pro Jahr und Unternehmen begrenzt.

Um Förderungen zur Stromeinsparung zu erhalten, reichen interessierte Unternehmen und Betriebe die Investitionsmaßnahmen und den Ergebnisbericht der Energieberatung zusammen mit dem ausgefüllten Förderantrag beim Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main ein. Bei kleineren Investitionen genügt nach Rücksprache auch ein einfacher Rechennachweis für die Einsparmaßnahmen. Antrag jetzt ganz schnell und unkompliziert online stellen.

Bis Ende 2019: rund 2.800 Tonnen CO2 gespart

Die Klimaschutzbilanz des Förderprogramms „Frankfurt spart Strom“ sieht sauber aus:

  • Es wurden zwischen 2011 und Ende 2019 kumuliert 5,4 Mio. Kilowattstunden Strom eingespart
  • Die CO2-Einsparung beträgt kumuliert 2.800 Tonnen
  • Durch Förderungen in Höhe von € 116.270,- wurden Investitionen in Höhe von € 1.003.600,- angestoßen

Nachhaltiges Gewerbegebiet Fechenheim/Seckbach

In einer Werkstatt arbeitet ein Mechaniker an einem Motorrad.

Willkommen im handwerklichen und industriell geprägten Frankfurter Osten! Dieser Standort hat sich in den vergangenen Jahren von einem von Leerstand geprägten Stadtteil zu einem aufstrebenden Viertel mit mehr als 7.000 Beschäftigten und großer Nutzungsvielfalt entwickelt. Heute hat sich zwischen Hanauer Landstrasse und Borsigallee eine spannende Vielfalt kleiner und mittlerer Unternehmen etabliert: Industrie, IT- und Kreativwirtschaft, vom Einzelhandel bis zur Logistik finden sich hier die unterschiedlichsten Unternehmen und Branchen.

Das Projekt Nachhaltiges Gewerbegebiet Fechenheim-Nord/Seckbach gilt als bundesweit einzigartiges Pilotprojekt, das nicht nur der Stadt Frankfurt am Main als Blaupause zur Sicherung und Entwicklung anderer Industrie- und Gewerbestandorte dient. Ziel ist es, Nachhaltigkeit mit Wirtschaftlichkeit, Innovationsfreude und gesellschaftlicher Verantwortung in Einklang zu bringen. Zum Wohle aller: der Unternehmen, Beschäftigten, Anwohner und Anwohnerinnen.

Eine junge Frau lächelt in einer Automobilfabrik.

Auf dem Weg zum Nachhaltigen Gewerbegebiet wurden sechs zentrale Ziele und Visionen eines zukunftssicheren Standorts definiert, die gemeinsam mit der Verwaltung, der Standortinitiative und den Unternehmen vor Ort umgesetzt werden sollen:

  1. Klimaoptimierter Standort
  2. Digitale Autobahnen/Glasfaserkabel
  3. Neue Straßen/Infrastruktur
  4. Attraktivität steigern/Neuansiedlung
  5. Standortinitiativen etablieren
  6. Pilotprojekt für andere Stadtteile

Weitere Beratungsangebote

Bildquellen

Gabelstapler aussen / ELEVATE von Pexels
Close up Computer mit Hand / energepic.com von Pexels
Junge Fau im Office / ThisIsEngineering von Pexels
Mann schleift Röhre / Cleyder Duque von Pexels
Werkstatt-Mann mit Motorrad / Andrea Piacquadio von Pexels
Frau vor Ersatzteilregalen / ThisIsEngineering von Pexels
Work hard: Dream big / Roman Koval von Pexels
Strommasten / Pok Rie von Pexels
Frankfurt Skyline / juv von Pexels