Wie Lokalversorgung das Klima schützt

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Eine Nahaufnahme eines Gemüsestandes mit einer Menge Karotten und Lauch.

Das Gute gibt’s so nah!

Eins zu null für den heimischen Apfel

Mmh, wie lecker so ein saftiger Apfel doch schmeckt! Hierzulande ist er das meistverzehrte Obst. Bei seinem Kauf legen 72 Prozent der Deutschen Wert auf eine regionale Herkunft. Damit unterstützen sie die Erzeuger vor Ort und helfen gleichzeitig dem Klima. Schließlich haben andere Äpfel weite Strecken mit dem Kühlschiff und Lastwagen hinter sich. Von Neuseeland legen sie ganze 20.000 Kilometer bis zu uns zurück. Es geht um immense Mengen: 2018 wurden Tafeläpfel im Wert von 593 Millionen Euro nach Deutschland importiert. Insgesamt kommen nur 22 Prozent des in Deutschland verzehrten Obstes von hier.

Für die Klimabilanz spielt jedoch nicht nur die Länge des Weges eine Rolle, sondern auch das genutzte Transportmittel: ob Schiff oder Flugzeug, Bahn oder Lkw. Der Transport durch die Luft ist besonders klimaschädlich. Er verursacht je Tonne Lebensmittel und Kilometer bis zu 90-mal mehr Treibhausgase als der Hochseeschiff-Transport und rund 15-mal mehr als Transporte per Lkw. Dabei ist die gesamte Transportkette zu berücksichtigen, die möglicherweise aus der Kombination verschiedener Verkehrsmittel besteht – und sie bleibt oft unklar und ist schwer zu beziffern.

Aber liest man nicht immer wieder, dass ein neuseeländischer Apfel unter Umständen sogar die bessere Klimabilanz aufweisen kann als einer aus der Region? Es ist wahr, dass nicht nur das weitgereiste Obst das Klima erheblich belastet. Ein heimischer Apfel, der im Frühsommer im Supermarkt liegt, stammt sicher aus der vorjährigen Herbsternte und hat ein halbes Jahr im Kühllager verbracht. Doch selbst dann besitzt er noch eine bessere CO2-Bilanz als ein Übersee-Apfel, wie das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) herausfand.

Frisch und gesund – das schmeckt!

Ein Ausschnitt eines Wochenmarkts: Man sieht Menschen, die dort gerade einkaufen und Gemüse, welches ausliegt. An der Decke hängen Knoblauchzehen hinab und man sieht eine Preisübersicht über verschiedene Gemüsesorten

Fest steht: Wer auf „regional“ achtet, sollte auch auf „saisonal“ Wert legen. Gesund ist das allemal, denn der Vitamingehalt eines frischen Apfels ist deutlich höher als der eines gelagerten. Seine Saison ist von August bis Oktober. Im Frühsommer gibt es bei uns anderes frisches Obst wie Erdbeeren, Himbeeren oder Kirschen. Orientierung bietet der „Saisonkalender Obst und Gemüse“ der Verbraucherzentrale Hessen. Allerdings ist es nicht immer ganz einfach zu erkennen, welche Lebensmittel tatsächlich aus der Region stammen. Viele, die als „regional“ beworben werden, haben in Wahrheit erhebliche Entfernungen zurückgelegt.

Woran erkenne ich regionale Lebensmittel?

  • Regionalfenster-Kennzeichnung: gibt an, wo Lebensmittel herkommen, wo sie verarbeitet wurden und wie hoch der regionale Anteil ist.
  • Geprüfte Qualität – HESSEN: das offizielle Qualitäts- und Herkunftszeichen des Landes Hessen für Lebensmittel aus konventioneller Erzeugung.
  • Bio-Siegel – HESSEN: kennzeichnet biologisch erzeugte Lebensmittel aus Hessen.
  • Kennzeichnung auf Eiern: zeigt das Haltungssystem (eine „0“ am Anfang bedeutet „Ökologische Erzeugung“), das Herkunftsland (z. B. „DE“) und die Betriebsnummer, deren erste zwei Stellen das Bundesland identifizieren („06“ für Hessen).
  • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.): bestätigt, dass ein Lebensmittel in einem festgelegten Gebiet nach bestimmten Kriterien erzeugt, verarbeitet und hergestellt wurde. In Hessen trägt einzig der Odenwälder Frühstückskäse die EU-Kennzeichnung „g.U“.
  • Geschützte geografische Angabe (g.g.A.): gibt an, dass mindestens eine Stufe des Herstellungsprozesses in einer bestimmten Region erfolgt ist. Diese EU-Kennzeichnung haben etwa der Hessische Handkäse, der Hessische Apfelwein und die Frankfurter Grüne Soße.
  • Bei unverarbeiteten Lebensmitteln sollte der Erzeuger (mit seiner Adresse oder zumindest dem Ort) oder eine konkrete Region genannt sein.

… und wo kann ich sie kaufen?

Das Problem:

Es herrscht Unsicherheit. Verbraucher haben ein hohes Interesse daran, ob die angebotenen Produkte fair, menschlich und klimabewusst produziert wurden. Die von den Herstellern selbst entwickelten und publizierten Fairtrade-Siegel vermitteln kaum Verlässlichkeit.

Die Lösung:

Zum 1. Januar 2023 kehrt Klarheit in dieser Frage ein. Ab diesem Stichtag schreibt der Gesetz-geber mit dem Lieferkettengesetz deutschen Unternehmen mit mehr als 3.000 Angestellten die Sorgfaltspflicht vor, menschen- und umweltrechtliche Risiken ihrer Geschäftsaktivitäten und -partner zu erkennen und diese zu verhindern, zu beenden oder zu minimieren.

Frankfurter Realität:

Wer jeden Zweifel hinsichtlich Sorgfaltspflicht, Produktionsverhältnissen und Umweltstandards ausräumen will, kauft längst frisch, regional und saisonal und verzichtet gerne auf die Flug-Mango aus Südamerika. Und zwar direkt beim Erzeuger, den sie oder er vielleicht persönlich vom Wochenmarktstand, Bauernhof oder Weingut kennt. Direktvertrieb liegt im Trend. Im Stadtgebiet finden sich unzählige Wochenmärkte, Flohmärkte, Markt- und Kleinmarkthallen sowie Pop-up-Märkte, auf denen sich die Produkte der Region frisch, biologisch angebaut und saisonal geerntet direkt beim Erzeuger einkaufen lassen.

Eine Karte aus Google Maps, welche alle Wochenmärkte in und um Frankfurt anzeigt.

Die hier genannten und/oder verlinkten Unternehmen, Anbieter oder Orte sind eine Auswahl und bilden nur eine Momentaufnahme ohne Anspruch auf Aktualität und Vollständigkeit. Du vermisst hier ein Unternehmen, einen Anbieter oder einen Ort? Dann gib uns gerne über klimaschutz.team@stadt-frankfurt.de Bescheid.

Die Frankfurter Wochenmärkte

Nirgendwo ist der persönliche Kontakt zum Verkäufer bzw. dem Erzeuger intensiver als auf den Wochenmärkten der Stadt. Wenn Du darauf achtest, nur Lebensmittel einzukaufen, die in der Region angebaut, saisonal geerntet, direkt vermarktet und meistens sogar nachhaltig und biologisch erzeugt wurden, findest Du in den Wochenmärkten eine der umwelt- und klimaschutzfreundlichsten Einkaufsmöglichkeiten in Frankfurt. In vielen Stadteilen bieten die insgesamt über 190 Markthändlerinnen und -händler an festen Wochentagen ihre frischen Produkte an. Hier ein Überblick:

Dienstag

  • Höchst/Markthalle Höchst 07:00 bis 13:00 Uhr
  • Dornbusch 08:00 bis 18:00 Uhr
  • Friedberger Warte 08:00 bis 18:00 Uhr
  • Sachsenhausen 08:00 bis 18:00 Uhr

Mittwoch

  • Bornheim 08:00 bis 18:30 Uhr
  • City-West 10:00 bis 20:00 Uhr
  • Rödelheim 08:00 bis 18:00 Uhr

Donnerstag

  • Bockenheim 08:00 bis 18:00 Uhr
  • Bonames 13:00 bis 20:00 Uhr
  • Campus Westend 09:00 bis 17:00 Uhr
  • Konstablerwache 10:00 bis 20:00 Uhr

Freitag

  • Höchst/Markthalle Höchst 07:00 bis 13:00 Uhr
  • Sachsenhausen 08:00 bis 18:00 Uhr
  • Gallus 08:00 bis 18:30 Uhr
  • Heddernheim 09:00 bis 18:00 Uhr
  • Blumenmarkt 09:00 bis 18:00 Uhr
  • Schillermarkt 09:00 bis 18:30 Uhr
  • Nordend 10:00 bis 20:00 Uhr

Samstag

  • Höchst/Markthalle Höchst 07:00 bis 13:00 Uhr
  • Bornheim 08:00 bis 16:00 Uhr
  • Niederrad 08:00 bis 16:00 Uhr
  • Riedberg 09:00 bis 16:00 Uhr
  • Konstablerwache 08:00 bis 17:00 Uhr
  • Oberrad 09:00 bis 14:00 Uhr

(Stand: August 2021, Quelle: HFM Management für Hafen und Markt Frankfurt)

Außerdem: Im Rhein-Main-Guide von Klimagourmet sind zahlreiche Bäckereien, Wochenmärkte, Hofläden, Reformhäuser und Supermärkte mit regionalen Produkten verzeichnet.

Frankfurter Kleinmarkthalle

Was passt besser zu einer internationalen, pulsierenden und weltoffenen Stadt wie Frankfurt als ihre großartige Kleinmarkthalle? Von Montag bis Samstag präsentieren sich dort über 60 Händler in traditioneller Marktatmosphäre und bieten frische regionale und internationale Spezialitäten an. Am nachhaltigsten kaufst Du ein, wenn Du auf Lebensmittel achtest, die in der Region angebaut, saisonal geerntet, direkt vermarktet und meistens sogar nachhaltig und biologisch erzeugt wurden. Das angeschlossene Restaurant, die Terrasse und der Schlemmergarten vor der Kleinmarkthalle (Samstag) laden Dich ausdrücklich zum Probieren und Verweilen ein.

Ein toller Begegnungsort, der Einheimische und Besucher und Besucherinnen immer wieder zu neuen Gerichten inspiriert und alle Zutaten bereithält, die Du für ein nachhaltiges Menü brauchst. Die Kleinmarkthalle ist zentral gelegen zwischen Hasengasse und Liebfrauenberg, in unmittelbarer Nähe zur Zeil.

Marktschwärmer: Pop-up-Märkte für Erzeuger

Die Marktschwärmer-Gründerinnen Katrin Groth, Katrin Hage und Patricia Thébeault bieten Erzeugern und Erzeugerinnen die Chance, ihre Waren auch dort direkt an Kunden und Kundinnen zu verkaufen, wo es keinen festen Wochenmarkt gibt. 700 Produzenten haben sich der Initiative zur Direktvermarktung bereits angeschlossen. Auf den Pop-up-Märkten der Stadt findest Du Obst, Gemüse, Eier, Milch- und Fleischprodukte, Pilze, Marmeladen sowie Pesto, Hummus, Bier, Wein, Kaffee und sogar Eis. Das meiste davon in Bioqualität.

Neben den beliebten Standorten im Gutleutviertel, Fechenheim und Sachenhausen findest Du die Marktschwärmer auch im Unverpackt-Laden ULF am Lokalbahnhof, in der Auffüllerei an der Höhenstraße und demnächst auch in der Krabbelstube im Westend. Seit kurzem kannst Du auch über das Internet die Produkte aus der Region bestellen und am frühen Abend im Frankfurter Stadtgebiet zentral abholen. Die Marktschwärmer gibt es außerdem in Bensheim und Rüsselheim. Hier geht es zur Website.

Mundraub: Ernten, wo ernten erlaubt ist

Eine Nahaufnahme eines ror gelben Apfels, der noch an einem Baum hängt
Hier kannst Du legal Obst in der Nachbarschaft ernten.

Auf vielen Obstwiesen biegen sich die Bäume im Spätsommer und Herbst unter Nüssen und prallem Obst. Doch darf man einfach pflücken und sich in den Mund stecken, was da wächst? Mundraub sagt Dir, wo das erlaubt ist und wo nicht. Denn eigentlich ist das strafbar. Wer beim Spaziergang einen Apfel von einem fremden Baum pflückt, begeht Diebstahl. Wenn Du also ungestraft ernten willst, solltest Du Dich vorher informieren, wo das erlaubt ist. Unter der Internetadresse mundraub.org findest Du alle Bäume, von denen Du absolut legal ernten darfst.

Nach dieser Karte sind zum Beispiel die Pflaumen am Letzten Hasenpfad in Höhe der Hausnummer 62 zum Pflücken frei, Kirschen an der Franziusstraße neben der Kaiserleibrücke und Birnen im Heinrich-Kraft-Park zwischen Kilianstädter Strasse und Wasserturmweg. Es lohnt sich also, nach den aktuellen Adressen zu suchen und zu schauen, was andere in der Nachbarschaft schon gefunden haben. Wer einen neuen Ort auf der Karte angibt, weil er Obstbäume, -sträucher, Nüsse oder Kräuter gefunden hat, muss sich absolut sicher sein, dass beim Ernten keine Eigentumsrechte verletzt werden. Außerdem sollte bitte nur für den Eigenbedarf gepflückt werden, körbeweise Obst abzutransportieren ist nicht in Ordnung. Zu guter Letzt wünscht sich die Plattform, dass man sich auch für die Pflege und Nachpflanzung von Obstbäumen einsetzt und stark macht.

In einigen Landkreisen fällt an manchen Jahren so viel Obst an, dass es teilweise gar nicht geerntet werden kann. Der Neckar-Odenwald-Kreis zum Beispiel hat jetzt eine Aktion gestartet, durch die der große Ernteertrag besser genutzt werden soll. Von allen Bäumen, die dort ein gelbes Band tragen, darfst Du Früchte pflücken – ohne zu fragen, völlig legal.

Klimagourmet Festival

Das Energiereferat veranstaltet seit vielen Jahren die Klimagourmet-Woche, seit 2022 das Klimagourmet Festival. Jedes Jahr im September können Frankfurter*innen dabei erleben, wie Klimaschutz und Ernährung zusammenhängen, und das niemand auf Genuss verzichten muss, um sich klimafreundlich zu ernähren. Mehr dazu unter www.klimagourmet.de oder auf unserem Blogbeitrag mit Maike Thalmeier, dazu gibt es die besten Klimagourmet-Rezepte zum Nachkochen.

Die hier genannten und/oder verlinkten Unternehmen, Anbieter oder Orte sind eine Auswahl und bilden nur eine Momentaufnahme ohne Anspruch auf Aktualität und Vollständigkeit. Du vermisst hier ein Unternehmen, einen Anbieter oder einen Ort? Dann gib uns gerne über klimaschutz.team@stadt-frankfurt.de Bescheid.

Quellen:

GUTES AUS HESSEN GmbH, Hessen: „Geschützte Ursprungsbezeichnungen – Regionalmarken“, Verbraucherzentrale: „Regionale Lebensmittel“

Bildquellen

Kachelbild Karotte / Markus Spiske (Unsplash)
Karotten und Lauch auf Tisch / Peter Wendt (Unsplash)
Wochenmarkt / Sunyu Kim (Pexels)
Wochenmarktkarte / Google Maps
Foto Apfel / Arunas-Naujokas (Unsplash)